Bewegung und Sport bei Lungenkrebs

Untersuchungen haben gezeigt, dass körperliche Aktivität das Lungenkrebsrisiko senken kann, im Vergleich zu sitzenden Tätigkeiten. Dieser positive Effekt von Bewegung und Sport bleibt sogar erhalten, wenn die Wissenschaftler den Einfluss des Zigarettenrauchens auf das Lungenkrebsrisiko berücksichtigen (Leitlinie Lungenkrebs). Doch körperliche Aktivität trägt nicht nur zur Prävention von Lungenkrebs bei. Heute weiß man, dass Menschen während oder nach einer Krebserkrankung ebenfalls sehr von körperlicher Aktivität profitieren können. Das gilt auch für Lungenkrebspatienten.

Krebspatienten profitieren von körperlicher Aktivität

Studien konnten zeigen, dass viele Krebspatienten von für ihre individuelle Situation angepasster Bewegung profitieren. Körperlich aktiv zu sein oder sich sportlich zu betätigen kann dazu beitragen, sich seltener erschöpft zu fühlen, leistungsfähiger zu bleiben und das Risiko für einige Krankheits- und Behandlungsfolgen zu verringern sowie die Lebensqualität zu verbessern. Was während oder nach einer Krebsbehandlung für einen selbst geeignet ist, sollte immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Vorgaben, wie viel und wie man sich bewegen sollte, gibt es nicht. Die eigenen Bedürfnisse und Vorlieben spielen hier eine wichtige Rolle. Wichtig ist auch, sich nicht zu überfordern: An Sportprogrammen von Gesunden sollte man sich keinesfalls orientieren.

Folgen von Behandlung und Krankheit lindern

Folgen, die durch die Krankheit oder die Behandlung möglicherweise auftreten können, lassen sich durch gezielte Übungen und Krankengymnastik verringern oder sogar vermeiden. (Krebsinformationsdienst). Bei Lungenkrebs kann so vor allem die Atemnot behandelt werden. Denn Medikamente allein reichen oft nicht aus. Patienten können spezielle Atemtechniken erlernen, die sie jederzeit anwenden können. Patienten, die längere Gehstrecken bewältigen, haben außerdem seltener Atemnot. Mediziner glauben, dass die Muskulatur, die die Atmung unterstützt, durch Bewegung gestärkt wird. Insgesamt kann Bewegung so auch dabei helfen, das Selbstvertrauen zu stärken, die Lebensqualität verbessern und das Risiko für Depressionen reduziert. Hier können auch Entspannungsübungen, Yoga oder Massagen eine Rolle spielen. Sie helfen dabei Angst oder Panik-Gefühle im Zusammenhang mit Atemnot zu bewältigen. (Leitlinie Lungenkrebs). Zusätzlich wird in einer Reha mit Atemgymnastik die Funktion der Lunge gestärkt. Nach größeren Operationen helfen gezielte Übungen Fehl- und Schonhaltungen zu vermeiden und Muskelgruppen, die durch den Eingriff beeinträchtigt sind, wieder möglichst natürlich zu bewegen. Manche Chemotherapien können außerdem zu neuropathischen Beschwerden (z. B. Kribbelgefühle, Nervenschmerzen) führen, die sich manchmal durch Bewegung ebenfalls lindern lassen. Bewegung beugt zudem Blutgerinnseln vor, die Blutgefäße verstopfen können (Thrombose). (Krebsinformationsdienst)

Körperliche Aktivität hilft, intensive Behandlungen besser zu verkraften

Für Krebspatienten allgemein gilt, dass sich körperliche Aktivität positiv auf die Gesundheit auswirkt. Sie stärkt das Herz-Kreislauf-System, reguliert das Körpergewicht und stärkt Knochen und Muskeln. Das kann dabei helfen, belastende Behandlungen besser zu verkraften. Nach einer Therapie hilft Bewegung, sich schneller zu erholen (Krebsinformationsdienst). Ob das auch für Lungenkrebspatienten mit weiteren Erkrankungen gilt, ist unklar. Die Leitlinie für die Behandlung von Lungenkrebs weist aber auf positive Ergebnisse durch aerobes Ausdauer- und Entspannungstraining auf körperliche Leistungsfähigkeit und Erschöpfung hin (Leitlinie Lungenkrebs).

Erschöpfungszustände werden gemildert, die Lebensqualität verbessert

Auch gegen krebsbedingte Fatigue kann körperliche Aktivität helfen. Diese Erschöpfungszustände sind bei Krebspatienten häufig und erschweren den Einstieg in ein regelmäßiges Training. Auch hier kann der Arzt einen beraten, was und wie viel Bewegung tatsächlich sinnvoll ist. Darüber hinaus kann Bewegung dabei helfen, Schlafstörungen, Depressionen und Ängsten vorzubeugen und bereits vorhandene Beschwerden dieser Art zu bessern. Die Lebensqualität von Krebspatienten bessert sich durch Bewegung auch dadurch, dass sie bei der Krankheitsbewältigung hilft und durch die höhere Belastbarkeit dabei unterstützt, ein Stück Alltag zurückzugewinnen.

Beratung durch Experten ist das A und O

Trotz all dieser bekannten positiven Auswirkungen gilt es Training und Bewegungsprogramme mit den behandelnden Ärzten zu besprechen. Zum einen ist bisher noch nicht genau klar, welche Art von Training für welche Krebspatienten wann und wie viel geeignet ist. Zu diesen Themen wird aber aktuell geforscht, um besser zu verstehen, wie Bewegung hilft. Zum anderen gibt es auch Momente, in denen Vorsicht geboten ist. Das kann bei einer akuten Infektion, hoher Infektionsgefahr oder einem zu niedrigen Anteil von roten Blutkörperchen oder Gerinnungsfaktoren im Blut sein. Das kann z. B. nach einer Strahlen- oder Chemotherapie oder bei bestimmten Medikamenten der Fall sein. Auch direkt nach einer Operation ist richtiger Sport fast immer erst mal tabu. Doch schon alltägliche Bewegungen wie die eigene Körperpflege selbstständig wieder aufzunehmen und nach und nach normalen Alltagsaktivitäten nachzugehen, kann helfen. Auch Physiotherapie bereits im Krankenhaus ist eine gute Option, um unter Anleitung wieder fitter zu werden. Bewegungseinschränkungen, Gleichgewichtsprobleme oder Gefühlsstörungen in Händen und Füßen (Neuropathien) sollten ebenfalls berücksichtigt werden, um nicht zu fallen. Wer ambulant behandelt wird, sollte außerdem nicht unterschätzen, wie anstrengend der Alltag sein kann.

Begleiterkrankungen oder Gewichtsverlust können Sporttauglichkeit einschränken

Patienten, die weitere Vorerkrankungen haben, profitieren ebenfalls von einem Gespräch über Möglichkeiten für körperliche Aktivität mit ihrem Arzt. Er kann erklären, was hilft und was in der individuellen Situation eher schadet. Auch wenn die Krebserkrankung bereits fortgeschritten ist, sollte mit dem Arzt geschaut werden, was machbar ist. Metastasen können beispielsweise die Gefahr erhöhen, sich bei einfachen Bewegungen etwas zu brechen. Auch bei Schmerzen oder einem krebsbedingten Gewichtsverlust ist Vorsicht geboten. Doch auch hier kann angepasste Bewegung helfen, in dem sie ablenkt, Muskelabbau verhindert oder den Appetit anregt – vorausgesetzt die körperliche Aktivität ist an die individuelle Situation angepasst.

Rehabilitation nach Ende der Behandlung

Auch für Lungenkrebspatienten gibt es Rehabilitationsmaßnahmen, kurz Reha genannt. Es kann Vorteile bringen, in der Reha mit mehr Bewegung zu starten oder bereits begonnene Bewegungsprogramme fortzuführen. Die allgemeine Gesundheit wird verbessert und man lernt während einer Reha, wie man trotz möglicher Einschränkungen mobil und körperlich aktiv sein kann. Auch gibt es Rehabilitationssport, neben Krankengymnastik und Physiotherapie, während der Krebsnachsorge „auf Rezept“ in geprüften Rehaeinrichtungen oder Sportvereinen mit entsprechenden Sportangeboten. Hierauf sollten Betroffene den für die Nachsorge zuständigen Arzt ansprechen, er muss die Krebsdiagnose im Antrag an die gesetzliche Krankenkasse bestätigen, die sich an den Kosten für Rehasport beteiligen kann.